"Ich schaffe mir einen Hund an, um ihn dann als Therapie-Begleithund einzusetzen…"

Immer wie­der höre ich die­ses Zitat von Per­so­nen, wel­che sich der Wir­kung der Hun­de im Bereich der tier­ge­stütz­ten The­ra­pien sehr bewusst sind und grund­sätz­lich etwas sehr Gutes tun wol­len. Der Denk­an­satz ist jedoch grund ver­kehrt. War­um?

Um es gleich vor­weg zu neh­men: Den The­ra­pie-Begleit­hund gibt es schlicht nicht. Genau­so wenig wie es den Fami­li­en­hund gibt. Jeder Hund welt­weit ist nach einem gen­ti­schen Plan gebaut, wel­cher mehr oder weni­ger iden­tisch ist.

Ja, es gibt unter­schied­li­che Ras­sen, selbst­ver­ständ­lich haben die­se Ras­sen unter­schied­li­che Eigen­schaf­ten und ja, gewis­se Hun­de sind für gewis­se Auf­ga­ben gezüch­tet wor­den. Aber grund­sätz­lich gilt: Alle Hun­de haben mehr oder weni­ger die glei­che DNA. Und wenn wir die­se DNA auf­schlüs­seln, fin­den wir dar­in weder das "Fami­li­en­hund-Gen" und schon gar kein "The­ra­pie-Begleit­hund-Gen".

Was sie jedoch haben ist eine Ver­än­de­rung an zwei Genen, wel­che sie zur sozia­len Inter­ak­ti­on mit dem Men­schen befä­higt. Das ist äus­serst ein­fach aus­ge­drückt, bringt es jedoch auf den Punkt. Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen über die­se Gen-Mani­pu­la­ti­on kön­nen hier abge­ru­fen wer­den.

Was macht es also aus, dass sich ein Hund zum The­ra­pie-Begleit­hund eig­net? Aus mei­ner Erfah­rung sind es zwei wesent­li­che Eigen­schaf­ten, wel­che sie von den ande­ren Hun­den unter­schei­den:

  • Ers­tens der unbän­di­ge und frei­wil­li­ge Drang, den Kon­takt zum Men­schen auf­zu­su­chen (Die Hun­de sind im über Mass mensch-ori­en­tiert).
  • Zwei­tens müs­sen sie mit Situa­tio­nen, wel­che sie in Stress ver­set­zen könn­ten sou­ve­rän umge­hen kön­nen, in dem sie mit eige­nen Mit­teln den Stress abfan­gen und abbau­en, resp. die­sen durch ihr Ver­hal­ten gar nicht erst auf­kom­men las­sen

Natür­lich machen die­se bei­den Eigen­schaf­ten allein noch kei­nen The­ra­pie-Begleit­hund aus – aber es ist die essen­zi­el­le Basis.

Was heisst das kon­kret? Die meis­ten Hun­de suchen spon­tan den Kon­takt zu den Men­schen. Aber die aller­meis­ten Hun­de schnup­pern am Men­schen (um zu che­cken mit wem sie es zu tun haben) und gehen dann wie­der ihres Weges. Und wir spre­chen nicht von den Hun­den, wel­che den Kon­takt zu "ihrem" Men­schen suchen und genies­sen.

Wir spre­chen von Hun­den, wel­che zu Hinz und Kunz gehen und den Kon­takt bei die­sen Men­schen regel­recht ein­for­dern und bei die­sen Men­schen ver­har­ren. Ob ihnen die­se Men­schen bekannt oder unbe­kannt sind ist dabei völ­lig egal.

Ein sol­ches Ver­hal­ten kann selbst­ver­ständ­lich antrai­niert und durch ent­spre­chen­de Kon­di­tio­nie­rung pro­vo­ziert wer­den. Der Unter­schied beim Ver­hal­ten des Hun­des, wel­ches dies aus eige­nem Antrieb macht ist jedoch frap­pant gegen­über dem, bei wel­chem das Ver­hal­ten antrai­niert wor­den ist. Sein Ver­hal­ten ist viel natür­li­cher und der Hund "weiss", dass er zu machen hat, ohne, dass der Hun­de­hal­ter in die Inter­ak­ti­on ein­greift.

Aus die­sem Grund gibt es grund­sätz­lich auch kei­ne Ein­schrän­kung in den Hun­de­ras­sen, wel­che sich als The­ra­pie-Begleit­hund eig­nen. Der Hund hats, bedingt durch sei­ne indi­vi­du­el­le gene­ti­sche Ver­an­la­gung, drauf oder eben nicht. Das macht aus den Hun­den, wel­che es "nicht drauf haben" kei­ne schlech­te­ren Hun­de, die­se Hun­de haben 1000 ande­re Fähig­kei­ten, wel­che dann einem The­ra­pie-Begleit­hund mög­li­cher­wei­se feh­len. Aller­dings stimmt es, dass spe­zi­ell in der Schweiz, der Bern­har­di­ner Hund bei den zu besu­chen­den Per­so­nen einen Bonus hat. Weil er eben ein Bern­har­di­ner ist.

Machen wir also nicht den Feh­ler und zwän­gen den Hund in ein Arbeits­feld wel­ches ihm mög­li­cher­wei­se nicht ent­spricht, nur weil wir Men­schen es wahn­sin­nig ger­ne so hät­ten. Mit etwas Glück und geschick­ter Selek­ti­on kom­men sie zu einen Hund, der es drauf hat… oder eben nicht.

Ich wün­sche Ihnen viel Erfolg bei der rich­ti­gen Wahl Ihres Hun­des und vie­le gemein­sa­me Stun­den, in wel­chem Sie als Team mit ihrem Hund in irgend­ei­nem Gebiet glän­zen kön­nen.

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